Berliner Zeitung

Dass die höchstumstrittene Praxis, Jugendoffiziere an die Schulen zu holen, um den Schülern die Bundeswehr als interessantes Berufsfeld schmackhaft zu machen, jetzt auch noch die Weihen einer Kooperationsvereinbarung zwischen dem Berliner Senat und der Bundeswehr bekommen soll, ist ein Skandal.

Die Bundesregierung unterlässt jegliche Initiative, um den Krieg in der Ukraine zu beenden oder auch nur zu entschärfen. Zugleich rüstet sie massiv auf. Die zivile Infrastruktur wird auf Kriegstauglichkeit getestet, auch in Berlin, Stichwort Bollwerk Bärlin oder Planübung Gesamtverteidigung.

Was noch fehlt, sind die Soldaten in ausreichender Zahl. Dabei will die Berliner Bildungssenatorin Günther-Wünsch der Bundeswehr jetzt behilflich sein.

Jedem muss klar sein: Unter den aktuellen Bedingungen kann Soldat zu sein bedeuten, in den Krieg zu ziehen, zu sterben, zu töten. Unter diesen Umständen Heranwachsenden eine berufliche Laufbahn bei der Bundeswehr nahezulegen, ist grob fahrlässig und eigentlich unverantwortlich.

Es ist auch ein grober Verstoß gegen die Prinzipien des Beutelsbacher Konsenses. Aber der schert die Bildungsverwaltung ohnehin nicht, wie ich im August durch die Antwort des Senats auf meine Schriftliche Anfrage erfahren durfte. Eine Hinzuladung von Vertretern der Friedensbewegung zu den Besuchen der Bundeswehr an den Schulen, um ein ausgewogenes Bild zu erhalten, hält der Senat nicht für nötig. Er hält auch gar nicht nach, wie oft die Bundeswehr an Schulen auftritt und ob Gegenpositionen dabei berücksichtigt werden.

Jetzt sollen Indoktrinierung und Rekrutierung System bekommen. Wir protestieren energisch gegen diese Mobilmachung im Klassenzimmer.

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