BSW bei 5,5 Prozent in eigener Berlin-Umfrage – nach Sachsen-Anhalt wird deutlich: Institute unterschätzten BSW und überschätzten CDU systematisch.
BSW Landesverband Berlin
Berlin, 9. September 2026 – Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) Berlin hat eine eigene Sonntagsfrage zur Wahl des Berliner Abgeordnetenhauses in Auftrag gegeben und selber statistisch auswerten lassen. Die Befragung wurde über ein großes, international tätiges Marktforschungsunternehmen durchgeführt.
Auf Grundlage der erhobenen Daten und einer transparent offengelegten statistischen Aufbereitung ergibt sich folgendes Wahlergebnis für Berlin: Die Linke kommt auf 22,3 Prozent, die AfD auf 21,1 Prozent, die Grünen auf 15,4 Prozent, die CDU auf 13,5 Prozent und die SPD auf 11,8 Prozent. Das BSW erreicht 5,5 Prozent.
Damit liegt das BSW nun in Reichweite des Einzugs in das Berliner Abgeordnetenhaus. Entscheidend ist: Das Ergebnis erweist sich unter unterschiedlichen, methodisch vertretbaren Berechnungsvarianten als robust und bleibt oberhalb der Fünf-Prozent-Marke.
Für Berlin ist dieser Befund besonders interessant: Die eigene Umfrage des BSW zeichnet ein deutlich anderes Bild als die bisher veröffentlichten Umfragen – mit einem stärkeren BSW und einer erheblich schwächeren CDU.
Gerade das CDU-Ergebnis verdient besondere Aufmerksamkeit. Vor dem Hintergrund des negativen bundesweiten Trends der Union stellt sich die Frage, wie plausibel Berliner Umfragewerte von weiterhin rund 20 Prozent für die CDU tatsächlich sind. Dies gilt umso mehr angesichts der politischen Belastungen und Kontroversen, mit denen die Berliner CDU in den vergangenen Monaten konfrontiert war. Dass die eigene Berliner Wahlumfrage die CDU deutlich niedriger ausweist, erscheint vor diesem Hintergrund weniger überraschend, als es der Vergleich mit den bisherigen Institutswerten zunächst vermuten lässt.
Wie berechtigt es ist, Umfragewerte kritisch zu hinterfragen, zeigt, neben der schlechten Erfahrung des BSW aus der Bundestagswahl 2025, aktuell die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Dort lagen die Institute gerade bei BSW und CDU deutlich daneben – und zwar in genau entgegengesetzter Richtung. In den letzten veröffentlichten Erhebungen mehrerer Institute wurde das BSW durchweg nur bei 3 bis 4 Prozent gesehen, während die CDU gleichzeitig deutlich oberhalb von 20 Prozent ausgewiesen wurde. Tatsächlich erreichte das BSW am Wahltag 5,3 Prozent und zog damit in den Landtag ein. Die CDU kam dagegen nur auf rund 17 Prozent – ihr bislang schlechtestes Ergebnis in Sachsen-Anhalt. Ebenso wie die Wählerwanderung in Sachsen-Anhalt zeigt die Umfrage für Berlin, dass die Verluste der CDU überwiegend der AfD zugute kommt.
Damit wurde das BSW von den letzten Umfragen durchgehend unterschätzt, während die CDU deutlich überschätzt wurde. Gerade diese gegenläufige Abweichung macht Sachsen-Anhalt für die Bewertung der Berliner Zahlen besonders relevant.
| Wahlergebnis Sachsen-Anhalt | Letzte Umfragen | Wahlergebnis |
|---|---|---|
| BSW | 3–4 % | 5,3 % |
| CDU | 21–23 % | 17,2 % |
Diese Abweichung zeigt, dass insbesondere kleinere oder neue Parteien sowie veränderte Kräfteverhältnisse offenkundig nicht präzise von den einschlägigen Meinungsforschungsinstituten abgebildet werden.
Wahlumfragen dürfen keine Blackbox sein
Mit der eigenen Erhebung verbindet das BSW Berlin deshalb einen grundsätzlichen Anspruch: Wahlumfragen dürfen keine Blackbox sein. Sie müssen transparent und nachvollziehbar sein.
Umfragen sind ein wichtiges Instrument, um politische Stimmungen sichtbar zu machen. In der öffentlichen Debatte werden ihre Ergebnisse jedoch häufig mit einer Eindeutigkeit verbreitet, die den Eindruck eines bereits feststehenden politischen Kräfteverhältnisses erzeugt.
Dabei bleibt für die Öffentlichkeit oft kaum nachvollziehbar, wie aus den Antworten einer Stichprobe schließlich veröffentlichte Prozentwerte entstehen. In anderen Ländern ist es üblich, mehr Hintergrundinformationen von Wahlumfragen zu veröffentlichen. In Deutschland tappt man im Dunkeln.
Gerade kurz vor Wahlen ist das von erheblicher Bedeutung. Umfragen prägen mit, welche Parteien als stark oder schwach gelten, wem ein Einzug zugetraut wird und welche politischen Konstellationen als realistisch erscheinen. Besonders rund um die Fünf-Prozent-Hürde kann diese Wahrnehmung Mobilisierung und strategische Wahlentscheidungen beeinflussen.
Alexander King, Spitzenkandidat des BSW Berlin:
„Sachsen-Anhalt zeigt sehr deutlich, wie vorsichtig Wahlumfragen gerade rund um die Fünf-Prozent-Hürde interpretiert werden müssen. Noch kurz vor der Wahl wurde das BSW von fast allen Instituten unterhalb dieser Schwelle gesehen – am Ende zog es mit 5,3 Prozent in den Landtag ein. Gleichzeitig wurde die CDU deutlich überschätzt. Umfragen sind wichtige Momentaufnahmen, ihre Ergebnisse hängen aber auch von Erhebungs- und Berechnungsverfahren ab. Gerade deshalb ist Transparenz bei Wahlumfragen für uns auch eine Frage des Demokratieverständnisses.“
Mehr Transparenz
Das BSW Berlin will mit der eigenen Erhebung deshalb einen Impuls für mehr Transparenz und Nachvollziehbarkeit bei politischen Umfragen geben.
Die detaillierte Methodik, die Zusammensetzung der Stichprobe, die statistischen Qualitätskennziffern und die vorgenommenen Gewichtungen werden in einer gesonderten Anlage erläutert. Dort wird dargestellt, wie aus den Befragungsdaten das veröffentlichte Wahlergebnis abgeleitet wurde.
Der Anspruch ist einfach:
Wer politische Umfragewerte veröffentlicht, sollte auch nachvollziehbar machen, auf welcher Grundlage sie entstanden sind.




